SeminarSitzung: 10. Mai 2004 

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  • Gruppenberichte zur Gruppenarbeit:
    „Schluss mit der Döner-Pädagogik!“ (taz, 14. April 2003)

  • Kriterien für die Beurteilung von Kinder- und Jugendliteratur
    Referentinnen: Jennifer Friedrichsen + Asiye Azgi + Houda Mbarek

  • Rassismus in Kinder- und Jugendliteratur
    Referentinnen: Justine Lunau-Mierke + Jenny Zombik + Janna Wendt

  • Speziell: Ist Jim Knopf nun schwarz ... oder was?
    Referentinnen: StartFragment --> Birte Rocholl + Laura Seiffert + Katja Bach

Im Anschluss an die Seminarsitzung: Rezensionsgruppe trifft sich zur Verteilung der zu rezensierenden Bilderbücher!

Verantwortlich für die Gestaltung der Sitzung: Jennifer Friedrichsen + Asiye Azgi + Houda Mbarek / Justine Lunau-Mierke+Jenny Zombik+Janna Wendt / StartFragment --> Birte Rocholl+Laura Seifert+Katja Bach / Manfred Huth


Kriterien für die Beurteilung von Kinder- und Jugendliteratur

Universität Hamburg

Fachbereich Erziehungswissenschaften

Proseminar AEW „Kinderliteratur-interkulturell betrachtet“

SoSe 2004

Lehrender: Manfred Huth

Referentinnen: Jennifer Friedrichsen, Asiye Azgi, Houda Ben Hadj Mbarek

 

 

Kriterien zur Beurteilung von Kinderliteratur

 

Als Einstieg in das Thema möchte ich gerne ein Kinderbuch kurz vorstellen, bei dem deutlich wird, warum Kriterien und Angaben zu antirassistischen Büchern hilfreich sein können.

Das Kinderbuch " vom Zuviel und vom Zuwenig" von Karin Weiss-Hohenadel und Ute

Traurmann richtet sich an Kinder im Vorschulalter, um sie mit der Diskrepanz zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden bekanntzumachen und ihnen die Unterschiede und Probleme deutlich zu machen. In dem Buch geht es um das deutsche Mädchen Kristine und um das ruandische Mädchen Mukasine. Kristines Vater ist ein Bauer, der viel lacht und nur besorgt ist, wenn nicht genug Geld für die Ernte verdient werden konnte. Kristines Mutter geht jeden Tag mit dem kleinen Bruder einkaufen. Kristine isst gerne Süßigkeiten, hat eine hübsche Puppe mit vielen Kleidern, besitzt selber viele Bücher, einen Schulranzen und geht sehr gerne zur Schule.Im Gegensatz dazu wird dann von Mukasines Leben erzählt. Mukasines Vater ist auch Bauer, doch er hat nur wenig Land, keinen Traktor, keinen Pflug und die ganze Familie muss das Feld mühsam mit der Hacke bearbeiten. Die Kinder in der Familie helfen alle mit bei der täglichen Arbeit. Zu trinken gibt es nur Wasser und das Essen besteht immer nur aus Bohnenbrei und manchmal einer

Papaya. Die ganze Familie schläft auf dem Boden, Mukasine hat nur ein Kleid, keine Schuhe und sie kann nur zur Schule gehen, wenn ihre Eltern das Schulgeld bezahlen können.

Mukasines Leben wird im Vergleich zu Kristines Leben nur mit negativen Worten,

wie "nur", "kein", "nichts" beschrieben. Außerdem werden Lebensumstände miteinander verglichen, die man nicht miteinander vergleichen kann, so z.B. das Einkaufen. In Ruanda gibt es in der ländlichen Gegend kaum oder gar keinen Supermarkt, so wie es in hier in Deutschland gibt. Deshalb kann man das zum Markt gehen und einkaufen in Mukasines Fall nicht mit dem Einkaufen in Deutschland vergleichen.

Durch die z.T. negativen, falschen und unvollständigen Beschreibungen über Mukasines Leben, entsteht ein missverständlicher bis falscher Eindruck von dem Leben in Ruanda bei den Kindern die dieses Buch lesen. Es kann zu Schuldgefühlen bei den Kindern kommen oder zu Mitleid. Doch ein realistisches Bild von Afrika und Ruanda lernen sie nicht kennen.

Deshalb ist es wichtig, dass man einige Kriterien kennt, anhand denen man

feststellen kann, ob ein Buch für Kinder insofern geeignet ist, als dass es ein richtiges und

realistisches Bild eines anderen Landes und seiner Kultur darstellt.   

 

In dem folgenden Abschnitt haben wir einige Kriterien aufgeschrieben, die wir aus der „Kriterienliste für die Beurteilung von Rassismus in Kinderbüchern und Richtlinien für die Herstellung von anti- und nichtrassistischen Büchern von Regula Renschler und Roy Preiswerk“ ausgesucht haben. 

 

1.) Einseitige Betonung der Wertmaßstäbe und der Lebensformen der eigenen

Gruppe 

 

in Geschichte und Geographie: 

-         Sind historische Ereignisse und Entwicklungen aus eurozentrischer Sicht dargestellt?

-         Kommen andere Kontinente und Völker nur vor, wenn sie von den Europäern entdeckt werden?

-         Ist die vor-koloniale Zeit überhaupt erwähnt?

-         Werden andere Länder als Bürde für europäische Länder beschrieben?

 

in Lebensformen: 

-          Werden in dem Buch nur europäische Werte, Entwicklungen, Konzepte, Lebensformen und Institutionen gutgeheißen?

-          Werden diese Lebensformen etc. immer als überlegen dargestellt?

-          Wird die Entwicklung Europas als die höchste Stufe betrachtet?

 

in Sprache und Illustrationen: 

-         Wird die nicht-europäische Sprache als „Dialekt“ betrachtet, muss sie in irgendeiner Weise eingeschränkt oder unterdrückt werden?

-         Werden Nicht-Europäer als „Stämme“, ihre Wohnungen als „Hütten“ bezeichnet?

-         Werden europäische Vorstellungen von sozialer und politischer Organisation benützt, um andere Gesellschaften zu beschreiben, unter Missachtung ihres eigenen sozialen und kulturellen Kontexts? 

 

2.) Tendenz, das Image der andere Gruppe zu erniedrigen

 

in Geschichte und Geographie 

-         Gibt es eine Erklärung der historischen Ereignisse aus der Sicht der unterdrückten Gruppe?

-         Werden stereotype Ausdrücke verwendet, wie " ungesund, öde, " um die dominierte Gruppe zu beschreiben, wohingegen diese Begriffe für die eigene Geographie nicht benutzt wird?

-         Haben Helden der dominierten Gruppe die gleichen Qualitäten wie die der herrschenden Gruppe und sind die Interessen der Helden auf die eigene Gruppe gerichtet oder auf die der herrschenden Menschen? 

 

in Lebensformen: 

-         Werden die Lebensformen der unterdrückten Gruppe in einer simplen, naiven Art dargestellt?

-         Wird der Lebensstil der unterdrückten Gruppe im Vergleich mit dem europäischen ungünstig beurteilt?

-         Werden die Sitten, Feierlichkeiten und Feste der beherrschten Gruppe als exotisch dargestellt? 

 

in Sprache und Illustrationen: 

-         Wendet der Autor zwei verschiedene Wertsysteme an, die in der Sprache zum Ausdruck kommen: „König“ für die Europäer, „Häuptling“ für die anderen; Eingeborene werden „getötet“, Siedler „massakriert“?

-         Werden Nicht-Europäer gewöhnlich mit abschätzigen Adjektiven charakterisiert, wie z.B. faul, verräterisch?

-         Ist „schwarz“ immer symbolisch für Unterlegenheit?  

 

3.)Theorien und Lehren, welche die Beziehungen zwischen Gruppen erklären und rechtfertigen sollen

 

in Geschichte und Geographie: 

-         Wird die Kolonialzeit für das unterdrückte Volk als positiv dargestellt?

-         Werden die europäischen Taten und Handlungen in den südlicheren Ländern als Befreiung dargestellt?

-         Wird die europäische Expansion als angeborene Überlegenheit dargestellt?

-         Wird das beherrschte Land als unbekannt beschrieben bis die Europäer es finden?

-         Werden koloniale Taten gerechtfertigt durch den Gebrauch von Wörtern wie "unzivilisiert, rückständig, heidnisch" ?

-         Werden die internen Probleme der früheren Kolonien als Beweis für die Unfähigkeit jener Völker angeführt, sich selbst nicht regieren zu können?

 

in Sprache und Illustrationen:

       -         Wird die Welt beschrieben als aufgeteilt in „Weiß“ und
              „Farbig“?

-         Werden Wertunterschiede gemacht in Bezug auf Besitz und Unterkunft, wie  z.B. zwischen „Heim“ und „Hütte?

-         „Entwickelt“ Europa die „Dritte Welt“?

-         werden Europäer als Problemlöser betrachtet?

  

in Religion: 

-         Wird das Christentum auf eine Art beschrieben, die den Dialog mit Völkern anderen Glaubens als fragwürdig oder verwerflich erscheinen lässt?

-         Wird das Leiden der Armen und Unterdrückten als ein gottgewolltes Privileg angesehen?

-         Wird unterschieden zwischen „heidnischem Gebet“, „jüdischem Gebet“ und „richtigem Gebet“?

(Jennifer Friedrichsen + Asiye Azgi + Houda Mbarek)


Rassismus in Kinder- und Jugendliteratur - Teil 1
(Justine Lunau-Mierke + Jenny Zombik + Janna Wendt)
 
Zusammenfassung der Texte Gerhard Haas :Dem Fremden begegnen- die „Dritte“ Welt im Deutschunterricht und Peter Bräunlein : Afrika- ein (koloniales) Abenteuer? „Dritte Welt“: - Wahl des Begriffes schwierig -Rangordnung unpassend, Alternativen wie „Südländer“ etc. jedoch auch nicht passender -Nutzung des Begriffes mit Appell an die Skepsis. Historisches: -Anfang 1900: - durch die Standorte deutscher Kolonien in Afrika war dies ein wichtiger Bestandteil des Lehr plans. -Thema war jedoch ausschließlich Kolonialpolitik und dessen Nutzen (im positiven Sinn). -Lektüre teilweise so rassistisch, dass sie später im“ Dritten Reich“ als eine Art Beispiellektüre angesehen wurde(Gustav Frenssen). -„Weimarer Republik“: - durch die aktuelle Diskussion um die Abschaffung der Kolonien (Versailler Vertrag) war das Thema Afrika präsent. - sowohl Geschichts- als auch Lesebücher entpuppten sich 26 als durchweg kolonial gerichtet. - - bis ca.1970: - nach dem 2. Weltkrieg war die Literatur allgemein darauf bedacht unpolitisch zu sein. -es herrschte ein Bild der Kinder vor, nachdem diese sich nicht für das Thema interessieren würden -in der DDR höchstens ein Thema unter dem marxistischen Aspekt der Unterdrückung und darauffolgenden Auflehnung -in diesem Sinne war also Kinder- und Jugendliteratur hauptsächlich apolitisch - ab 1970: -es findet ein Umschwung statt(Studentenrevolutionen) - das Thema „Dritte Welt“ findet Beachtung in der Kinder- und Jugendliteratur, u.a. dank der Schweizer Vereinigung „Erklärung von Bern für solidarische Entwicklung“, durch Aktionen wie die Veröffentlichung eines immer wieder aktualisierten Verzeichnis empfehlenswerter Literatur - als Folge auf die veränderten Ansichten und die veröffentlichte Schulbuchkritik „Heile Welt und Dritte Welt“ wurden Änderungen im Lehrplan vorgenommen - mit der Frage nach Kriterien zur Vermeidung kolonialistischen und rassistischen Gedankenguts in der Literatur befasst sich auch Jörg Becker besonders. In seiner `77 veröffentlichten Studie „Alltäglicher Rassismus“ unterscheidet er die bis hier vorherrschende Darstellung Afrikas in 5 verschiedene Syndrome: -„das Vermeidungssyndrom“ (Konflikte sind nicht kindertauglich und werden deshalb vermieden) -„das Abenteuersyndrom“ (Auseinandersetzung nicht politisch sondern abenteuerlich und kriminalistisch) -„das Harmonisierungssyndrom“ (Konflikte werden unpolitisch und nicht aufs Kollektiv gesehen behandelt) -„das Syndrom des White Mans Burdon“ (Konflikte sind endogener Natur und der weiße Erzähler ist der gute Helfer) -„das Oasensyndrom“ (Darstellung mehrerer Europäer zu einem „Dritte-Welt-Bewohner“ „ Darstellung und Wahrnehmung(...) verbindet sich oft mit dem „Hauch von Abenteuer“ und romantischer Exotik gekoppelt an europäische Pionierstaten.(...)Afrikaner werden dagegen als anonyme (schwarze) Masse dargestellt.“ S.48 Historisch gesehen lässt sich auch die kritische Beschäftigung mit dem Thema in der Kinder- und Jugendliteratur dem Autor nach in drei Phasen einteilen: - die erste Phase ist aufrührerisch geprägt mit einem Hang zum Antiautoritären , zur Gesellschaftskritik und zur Aufklärung - die zweite Phase beschäftigt sich mit der Entwicklungshilfe und dem Schicksal des „Helfenden“ der auch erzählende Instanz ist - die Literatur der dritten Phase setzt auf positive, informative Darstellung der „Dritten Welt“ um Interesse zu wecken und Verständnis zu fördern, wobei beide Seiten auf die selbe Stufe gestellt werden Gründe für die Beschäftigung mit dem Thema: -objektive Beschäftigung notwendig um die Anderen und unsere eigenen Umstände zu verstehen und Degradierung zu verhindern(Horizonterweiterung) - durch die Globalisierung und die wachsende Mobilität zwischen den Kulturen gibt es keine Grenzen mehr zwischen „ Nord, Süd, Ost und West“, eine gegenseitige Abhängigkeit liegt vor -Fehlentwicklung ist nicht allein ein Problem der „Dritten Welt“ -„Toleranz und Respekt anstelle von Ausnutzung!“ (Resolution des Colloquiums des Arbeitskreises für Jugendliteratur und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit von 1979) -Thema ist mehr als aktuell, also wohl ein Thema für Kinder und deshalb ist seine Darstellung ebenso wichtig wie Hilfsprojekte etc. Unterrichts (Literatur) -kriterien: - sowohl die deutsche als auch die afrikanische Perspektive sollten in einem Zusammenspiel von Deutsch-, Geschichts- und Religionsunterricht behandelt werden, mit Hilfe von Literatur beider Kulturen (z.B. Kamerun-Material1 bis 6) und dem Ziel kritischer Auseinandersetzung mit vorherrschenden Bildern. - dieses darf aber nicht dazu führen, das die Deutschen sich von der Rolle des Unterdrückers in die Rolle des Helfers zwängen (lassen),denn Betroffenheit etc. könnten einen optimalen Kontakt verhindern - auf einer handlungs- und emotionsgeleiteten Ebene sollte sich mit den fatalen Folgen des Kolonialismus beschäftigt werden - Ausgangspunkt sollte Einfühlung und nicht Bewertung sein - um Eurozentrismus und sachliche Fehler zu vermeiden gewannen die Beiträge der Autoren des betroffenen Gebiets immer mehr an Bedeutung - eine Übergewichtung sollte jedoch vermieden werden , da auch die nachvollziehbare Darstellung für ein deutsches( Grund-) Schulkind eine Rolle spielt und diese oft besser von Lehrern ihres Landes vermittelt werden kann - wichtig bei der Entscheidung um in- oder ausländische Autoren ist also das Gleichgewicht (Brückenbeispiel-S.14) - Texte sollten nach Wissensstand mit aktuellen Geschehnissen, ethnischen Fragen, persönlichen Erfahrungen oder signifikanten Beispielen verknüpft werden ohne die emotionalen Aspekte zu verdecken. - eine schrittweise, interesseweckende Annäherung an das Thema sollte geschaffen werden(Primarstufe) - gewissenhafte und moralische Verantwortung Anderen gegenüber sollte gebildet werden, sowie die Fähigkeit Wissen einzuholen und sich mit Historie, Sozial-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik zu befassen(Sekundarstufe) Konkrete Unterrichtsanregungen: Als Instrumente hierfür nutzen handlungsorientierte Verfahren wie z. B.: -Lesetagebücher -Gestaltung von Collagen, Plakaten oder Wandzeitungen -Rollenspiele (Material 3 bzw.1:Dialog zwischen Jünger, Familie, Nachbarn und/oder Freunden) -fiktive Briefe (Material 2:Anfrage an die „Zentralauskunftsstelle für Auswanderer“) -Aushängung einer Karte der behandelten Region -Vergabe von Referaten - Mindmap als Einstieg und Vergleich der Assoziationen mit denen eines Textes(Material 1) -Diskussion um Textdarstellungen (hier z.B. Fluchtphantasien typisch männlich? Eigene Fluchtträume?...Material 1) - Auftrag einer Textanalyse (z.B. Indizien für den Stolz und das Selbstbewusstsein der Kameruner in Material 4) - eigene Fortführung eines Textanfangs (Anfang des Textes von Material 5) -Perspektivwechsel mit Hilfe einer situativen Darstellung -Verfassung eines Zeitungsberichtes zu einer/m im Text dargestellten Situation/Ereignis
 

Rassismus in Kinder- und Jugendliteratur - Teil 2         

Besonders beliebt bei Kindern sind Bücher, die über fremde Menschen in entfernten Ländern erzählen. Durch diese Bücher werden erste Begegnungen mit fremden Menschen aus Ländern der Dritten Welt möglich gemacht. Dazu gehören „zehn kleine Negerlein“, Onkel Tom’s Hütte, die Indianergeschichten von Karl May, die Comic-Abenteuer von Tim und Struppi sowie viele andere bekannte Bücher. Die hohen Auflagen der Neudrucke beweisen, dass auch heute noch die Begeisterung für das Abenteuer bei jungen Lesern besteht. Auf die eben genannten Büchertitel werde ich im Späteren eingehen.
Bereits im Bilderbuchstadium, z.B. bei  Petzi Asterix und Obelix, lernen die Kinder die Erde aus der Sicht der Hauptperson (sei es Petzibär, ein Gallier, ein Fisch oder sonstiges) kennen.
Ich komme nun zu den “Zehn kleinen Negerlein“, in diesem Alter unausweichlich.
Das Lied (verfasst von Engländer Frank Green)bietet vielen Kindern bei uns die erste Gelegenheit, Menschen mit dunkler Hautfarbe kennen zulernen, die in einem fremden Land – im fernen Afrika- leben.
-Schwarze sind wie Kinder~ kleine Neger, Negerlein, Negerknaben ~ sie werden nicht erwachsen
- Schwarze sind nicht fähig, aus ihrem „Fehl-“ Verhalten zu lernen, sich der „überlegenen“ deutschen Kultur anzupassen und im Alltagsleben zurechtzufinden
-Schwarze sind unvernünftig
-Sie haben sich ihr Schicksal selbst zuzuschreiben
-Sie sind ungeschickt, und ihnen misslingt vieles
-Sie kommen nicht selten dabei zum Tode
-Am Ende eines jeden Verses ist ein kleiner Neger verschwunden
>die übrigen lassen sich in ihren Handlungen nicht beirren und begehen weitere Fehler.
Durch die dem Kind vermittelten Vorstellungen über Afrika bleiben als Vorurteile haften, durch das ständige Wiederholen der Verse verfestigen sich diese.

Das Buch (1965 Verse Cilly Schmitt-Teichmann u Illustrationen Felicitas Kuhn) stellt eine Verbindung von afrikanischer Natur und europäischer Kultur dar:
- fünfjährige afrikanische Kinder mit traditionellen afrikanischen Goldschmuck
- nach der neuesten europäischen Kindermode gekleidet mit europäischen Spielzeug bestückt.
Auf dem zweiten Blick, trotz „europäischer Ausrüstung“, kommt das Negerlein zum Vorschein.
- eigene Unvernunft
- Ungeschicklichkeit   -> ständige Gefahr   -> Tod
- Naivität
Egal ob Lied oder Buch, durchgehend werden immer wieder die gleichen charakterlichen Unzulänglichkeiten und Fehler angeprangert:
-          unsozial, eigensinnig und egoistisch
-          ungeschickt
-          unachtsam, träumerisch, gedankenlos
-          unvorsichtig, unfähig, Gefahren abzuschätzen
-          nicht lernfähig
-          ängstlich

Der Roman Onkel Tom’s Hütte (Elisabeth Harriet Beecher Stowe < Neger seien nicht einfach Nigger>, erstmals 1851 in Amerika erschienen) enthält, obgleich er mit Engagement für die Schwarzen und gegen die Sklaverei geschrieben wurde dennoch etliche zeitgebundene Vorurteile und Klischees:
- Menschen, weil gehorsam und unterwürfig -> gut beherrschbar, dank ihres Instinktes
- Schnell zu begeistern für schöne, bunte Dinge
- Von kindlichem Gemüt
- Besonders Gefühlsbetont 
- treuer Diener

- arbeitet fleißig, erträgt duldsam Bestrafungen

Zum Inhalt: Onkel Tom, Schwarzer, lebt mit Frau und seinen drei Kindern in einem kleinen Häuschen von seinem Herrn Shelby. Wird in den Süden verkauft zu einem brutalen Baumwollplantagen- Besitzers .Hilft Mitsklaven. Kraft durch Glaube an Gott. Verrät Versteck von geflohenen Sklaven nicht, wird wiedermals bestraft und stirbt an den Folgen.

Das Buch trug nicht unwesentlich dazu bei die Sklaverei abzuschaffen.

 

Wer von Euch kennt sie  nicht? Die Geschichten des Winnetou !

1893 schrieb Karl May den ersten Band seiner wohl berühmtesten Reiseerzählung . Zwei weitere Bände folgten. Er schildert darin die Freundschaft zwischen dem Apachen - Häuptling Winnetou und seinem weißen Blutsbruder Old Shatterhand. Eine Geschichte von der ersten, anfangs noch feindlichen Begegnung, über gemeinsam bestandene Abenteuer bis hin zum heldenhaften Tod des Häuptlings Winnetou in den Armen von Old Shatterhand.

Heftchen, Comic, Spiel, Film ... In welcher Form auch immer, die „edle Rothaut“ mit den wertvollen Eigenschaften:

- stolzer, tapferer Indianer, Friedenstifter

- klug, ehrlich, treu

- Selbstbeherrschung, Geschicklichkeit

- Willensstärke, Edelmut, Ehrgefühl

- Gepaart mit christlichen Werten wie Wahrheitsliebe

Auffallend ist der Wandel Winnetous im Laufe der Zeit von einem wilden Indianer zu einem Edlen Wilden mit christlichen Zügen. Der würdevolle Häuptling erweist sich als Freund und Beschützer der Hilfsbedürftigen.

Durch alle Erzählungen hindurch zieht sich der ewige Kampf des Guten gegen das Böse. Schließlich siegt immer das Gute!

 

Zu erwähnen wäre noch  die Comic-Serie Tim und Struppi (1930, Herbe`).

Die Hauptperson der Serie, Tim , ist der Typ des kleinen pfiffigen  und ewig junggebliebenen Pfadfinders und Reporters. Er ist ein schlauer Bursche mit einem mustergültigen Charakter, der sich keinerlei moralische Verfehlungen vorzuwerfen hat. Sein treuer Begleiter ist der weiße Terrier Struppi. Der kleine Hund ist schlau, frech ungezogen, aber in gefährlichen Situationen  beschützt  er Tim mutig. Die beiden unzertrennlichen Freunde reisen seit 62 Jahren unermüdlich durch die Welt. 

Zwei Exemplare habe ich ausfindig gemacht und gebe sie jetzt herum. Allerdings wird bei ihnen der Rassismus nicht deutlich!  

Klischeehafte und stereotype Vorstellungen von Fremden entsprechen der weltpolitischen Lage der 30er Jahre, wie sie viele Europäer damals erlebten und bewerteten.

Sehr deutlich wird dies z.B. in der blaue Lotus, wo das Verhältnis Europäer-Chinesen-Japaner thematisiert ist ->

Japaner =  skrupellose moderne Technokraten, die auf dubiose Art mit der internationalen  Niederlassung zusammenarbeiten.

Chinesen =  der Tradition verhaftet vor, entsprechend dem Wiederaufleben des Konfuzianismus seit 1934

Bei Tim im Kongo werden die Afrikaner verzerrt, lächerlich dargestellt.

-          große rollende Augen u dicke Lippen

-          traditionelle Kleidung: Grasrock, Leopardenfell

vervollständigt durch Relikte der Kolonialzeit: Uniformmütze, weiße Manschetten und Kragen.

Das Denken und Verhalten der Afrikaner ist dümmlich, naiv und hilflos bzw. ängstlich.

Sie drücken sich vor jeder Arbeit und ihre Sprache entspricht der eines Kleinkindes.

 

Jetzt ein bisschen Historisch!  

Es gibt noch viele andere Jugendbücher aus dem 19Jahrhundert, die Vorurteile beinhalten:

-          Daniel Defoen : Robinson Crusoe -  Die Wilden kommen

-          Allgemein Indianer- und Westernbücher

-          Der deutsche Kolonialroman (diente der Propaganda unter der Jugend ,der Rechtfertigung des deutschen Imperialismus und der Erziehung zum Ideal des tüchtigen Deutschen am Bild des kolonialen Helden)

Nach dem zweiten Weltkrieg finden sich unter den Neuerscheinungen in der Jugend- und Kinderliteratur nicht mehr derartige Entgleisungen. Diese offensichtliche Tendenz setzt sich eher in den Comics fort.

Gründe: - die meisten Schriftsteller wollen ihre Leser nicht nur unterhalten, sondern auch

                 Belehren: - Identifikationsmöglichkeiten                                                          

                                  - Auseinandersetzung mit Problemen und Tendenzen unserer Zeit

                                  - Finden einen Teil ihrer Vorbilder

Trotzdem werden auch in dieser Literatur die Menschen der Dritten Welt bestenfalls als „Auch -Menschen einer Restwelt“ begriffen.

 

Die Haltung der meisten Autoren ist ausgesprochen ethnozentrisch geblieben- überzeugt vom Glauben an die Überlegenheit der Weißen.

Beispiele :- Federica de Cesco:“ Der rote Seidenschal“

- Federica de Ccesco 1977 „Ananda“

- Liebe Negerlein, Bösewichter, Diener, Abhängige

- „Barbi fliegt nach Afrika“, Margrit Helbling, 1965

- „El Demonio“, Tim Maran, 1976

- „Der weiße  Sahib”, Herbert Tichy, 1977                           

- Entwicklungshelferromane

- „Abenteuer Afrika. Entwicklungshelfer in Urwald und Steppe“, Ann Rutgers, 1977                                                              

                                       

Folge: Ausländische Kinder sind in Kinder- und Jugendliteratur zumeist einsam, hilfsbedürftig, erfolglos,, fremd und aggressiv.

Kurzum: belastend.

So erfahren ausländische Kinder ihre Kultur und damit ihre eigene Persönlichkeit als defizitär, ja minderwertig.

                                           Folie zum Buch:

 

-          Zehn kleine Negerlein laufen querfeldein. Eins bleibt am Wegrand zurück. Es konnte den anderen nicht folgen, weil es zu langsam lief. Die Gruppe läuft weiter, ohne sich um es zu kümmern.

-          Neun kleine Negerlein sitzen im Gras und veranstalten ein Picknick. Sie zechten spät zur Nacht. Eins schläft nach übermäßigem Genuß von Kokusmilch und Bananen ermüdet ein.

-          Acht kleine Negerlein haben sich beim Spiel die Zeit vertrieben. Alle wollen nach Hause gehen, nur ein kleines Mädchen möchte weiter auf dem Dreirad fahren. Die anderen winken es zu sich, wollen es zum Mitkommen überreden. Doch es lässt sich nicht von seinem Entschluss, noch länger Dreirad zu fahren, abbringen.

-          Sieben kleine Negerlein hacken Holz mitsamt dem Hündchen Rex. Eins hat sich dabei ungeschickt verhalten und am Finger verletzt. Es läuft vor Schreck davon.

-          Sechs kleine Negerlein laufen ohne Strümpf. Ein war unachtsam, und eine Biene hat es in den Fuß gestochen. Jetzt schreit es vor Schmerzen. Die anderen bemitleiden es.

-          Fünf kleine Negerlein necken Mensch und Tier. Eins hat seine gerechte Strafe bekommen und ist in einen Käfig gesperrt worden. Die anderen laufen schreiend davon.

-          Vier kleine Negerlein haben einen Hai geangelt. Eins ist dabei unvorsichtig gewesen und aus dem Boot gefallen. Für diese vierte Negerlein besteht höchste Lebensgefahr.

-          Drei kleine Negerlein besuchen im Monat Mai den Zoo. Eins steht staunend vor dem Bärenkäfig und kann sich von dem Anblick der Bären mit ihren zwei jungen nicht lösen. Es ist beeindruckt von den Tieren und möchte in seiner Betrachtung nicht gestört werden. Die beiden anderen laufen fröhlich winkend davon.

-          Zwei kleine Negerlein spielen trotz heißen Sonnenscheins am Strand. Eins sitzt am Strand und schaufelt eifrig Sand. Es will sein Spiel noch nicht unterbrechen, obwohl das andere schon seinen Wasserball, Eimer und Schaufel in die Hand genommen hat und nach Hause geht.

-          Das übriggebliebene (lebenstüchtigste?) Negerlein sitzt weinend unter einer Palme und war nun ganz allein. Nur ein Papagei teilt seine Einsamkeit. Aus Angst vor dem Alleinsein nimmt es sich eine Frau, denn besser ist´s zu zwei´n.

-          Die Brautleute tanzen Ringelreihen. Sie trägt einen Bastrock und einen Blütenkranz, er hat sich eine Blüte hinters Ohr gesteckt. Die beiden werden bald zehn kleine Negerlein bekommen, und das Ganze wird sich von vorn wiederholen.

 

Die Entstehung des ‚Negerbildes’ in Kinderbüchern

Und seine Darstellung

                                     

Das Bilderbuch ist schon immer ein Spiegel der Epochen, Generationen und Kulturen.

Da das Bilderbuch auch immer einen Erzieherischen, Pädagogischen Anteil hat, lässt sich daran erkennen welche Werte in der jeweiligen Epoche  übermittelt werden sollten.

Das Bilderbuch versucht diese Erziehung durch Bilder zu übermitteln.

Diese Bilder stehen also für etwas und sind sozusagen Verschlüsselt (das heißt die Botschaft ist irgendwo in dem Bild zu finden, Kinder nehmen die Botschaft unbewusst wahr.)

Die Deutung dieser Zeichen ist abhängig von den herrschenden Konventionen, d.h von Sitten, Verhaltensnormen, Bräuchen.

Die Erzieherische Maßnahme liegt nicht darin ein 1:1 Bild der Umgebung darzustellen, das Bilderbuch stellt viel eher ein eigenes, oft sehr vereinfachtes, standardisiertes, Bild her.

Um ein solches Bild zu erzeugen greifen die Autoren oft auf bereits Verschlüsselte Erfahrungen zurück, die schon vor Generationen eine Wirkung erzielt haben.

Im Bilderbuch soll also mit standardisierten Bildern dem Kind das gewünschte Bild der Welt vermittelt werden.

Die Darstellung von Schwarzen in den Kinderbüchern war auch sehr nützlich für die Erziehung

Die Deutschen guckten kaum über ihren eigenen Kirchturm hinaus

Das Fremde war bedrohlich

Erst die Aufklärungsliteratur lies die Deutschen eine Sehnsucht nach dem spüren, was weit weg lag

Die Erziehung zur Zeit der Aufklärung war Widersprüchlich

Einerseits wurde den Kindern Toleranz und Unvoreingenommenheit beigebracht, andererseits sollten sie sich von Vorurteilen beeindrucken lassen, wenn es um ökonomische und politische Interessen ging.

Sprich: Sei unvoreingenommen, aber immer auf der Hut

Den Kindern wurde übermittelt, das jedes Ding und jeder Mensch seinen Platz in der herrschenden Ordnung habe

„Wer arm ist, ist es zurecht, wer Sklave ist ist es von Natur aus und wer Bürger ist, ist es, weil er dazu talentiert ist“

Dem Neger kamen folgende Erzehungsaufgaben zu:

Man konnte trotz Armut, Krankheit du schwerem Schicksal hilfreich und ehrlich sein

Man muss jeden Platz in der Ordnung nützlich erfüllen

Die natürlichen Grenzen zwischen Menschen und Kulturen bestünden zurecht.

 

Anfang des 15 und Anfang des 16. Jhrd. War Afrika vor allem Handelsgebiet für Gold, Elfenbein und Gewürze.

Dann entstanden die Kolonien

Jetzt wurden Afrikaner als Arbeitskräfte und Sklaven für de Westindischen Inseln benutzt.

Afrikaner wurden zwischen Afrika, Europa und Westindischen Inseln hin und her gehandelt (Dreieckshandel).

Die Individualität, die Afrikaner bis dahin in Bildern von Dürer und anderen Malern besessen hatte, wich einer Schematisierung.

Die Bilder, die die Reisenden übermittelt hatten, die etwas Verzauberndes hatten, verschwanden und der Afrikaner wurde zum Standardbild.

Mit der Aufklärung Anfang des 18. Jhrd. Kam die Idee der Kindheit auf.

Das Bilderbuch entstand.           

Erst ABC-Kinderlexika z.B

Der Schwarze kommt darin schlecht weg. Schwarz sein ist meistens als Strafe oder Makel dargestellt.

In den frühen ABC-Büchern und Kinderlexika waren fremde Kulturen und  Menschen Naturobjekte, die mit Wissenschaftlicher Genauigkeit wiedergegeben wurden.

Dieses Bild wich aber nach und nach immer mehr einer Darstellung, die viel mehr Ideen und Vorstellungen entsprachen, als der Realität.

Im 19. Jhrd. wurde dann der Bilderbogen sehr Populär, weil er sehr billig war und viele Leute noch nicht lesen und schreiben konnten.

In diesen Bögen wurde der Afrikaner zum ersten Mal karikaturhaft dargestellt.

Der ‚Neger’ wurde zur Witzfigur.

Als die Afrikaner nur noch innerhalb Europas hin und her geschoben wurde, wird das karikierende Bild immer fester:

Kopf mit gedrungener Stirn

runde, platte Nase

wulstige Lippen, zu großer Mund

dunkler Körper lässt wenig Struktur erkennen

Gestik ist ungelenk

Einige Autoren malten die Afrikaner so schwarz, das sie jegliche Individualität verlieren.

Zum Ende des 19. und zu Beginn des 20.Jhrd. wurden es immer mehr Schwarze in den Bilderbüchern.

Zum ersten Mal erscheinen Bücher, in denen Afrika und Afrikaner das Hauptthema sind.

Das Karikaturhafte hatte sich nun fast überall durchgesetzt.

Beispiel: Lulus fahrt nach Kamerun: „Der Fips traut seinen Augen kaum, die Menschen sind ja alle braun“.

Weil man es kinderhaft gestalten will, bemüht man sich um große Einheitliche Flächen, kräftige Farben.

Man lässt die Feinheiten wie Gesichtszüge weg und konzentriert sich nur noch auf die auffälligen Merkmale, wie Mund, Kulleraugen, runder Kopf.

Dadurch werden sie auch der Einfachheithalben meistens frontal oder im Profil dargestellt.

Er wird als Primitiv verkauft und zeigt deutlich den unterschied zwischen Naturmensch und Zivilisation.

    Das Primitive hat immer auch etwas komisches

    Es wird schon deshalb abgewertet, weil es nicht Teil der eigenen     

    Kultur ist

    Ausstellungen in Hagenbecks Tierpark und Jahrmärkten

    Jetzt erscheint der Neger auch öfter in Bilderbüchern der Mittelschicht

   Er trägt jetzt Ohrring und Nasenring und wird wie ein wildes Tier    

   zähmbar gemacht.

   Seine Namen sind Bimbo, Wambo o.ä.

   Seine Sprache ist gebrochen und alle sehen sich zum Verwechseln    

   Ähnlich.

   Doch in den Bilderbüchern um die Jahrhundertwende zeigen sich auch  

   Gelüste und Sehnsüchte, wie Erotik, Nacktheit, Abenteuerlust,  

   Verweigerung usw. weil die ‚Neger’ all das dürfen

   Die Negativierung der Schwarzen wurde ab 1900 noch deutlicher, da   

   es eine Begründung für die Ausbeuterei fremder Kulturen und Völkern  

   geben musste, um die Kolonien zu rechtfertigen.

 

 

Referentinnen: Justine, Jenny und Janna

 


Ist Jim Knopf nun schwarz ... oder was?
Heidi Rösch: „Jim Knopf ist (nicht) schwarz!“
Die Vorgeschichte:
In einem Schweizer Kindergarten wurden 1994 die Abenteuer von Jim Knopf vorgelesen, das einzige farbige Kind wurde von den weißen Kindern mit dem Protagonisten verglichen und die Mutter interpretierte die schmerzliche Erfahrung ihres Sohnes als Folge des Textes und ging gegen seine weitere Verbreitung vor. Diese Initiative blieb erfolglos, die Mutter nahm ihr Kind daraufhin aus dem Kindergarten. Dieser Vorfall hat eine sehr kontroverse Debatte um Michael Endes Kinderroman ausgelöst. In einer Schweizer Rundfunksendung wird er von Gita Steiner- Kamshi, Helene Schar und Ina Bönsch analysiert und punktuell als kulturrassistisch und eurozentrisch bezeichnet.

Die Argumentation Heidi Röschs:
Die Autorin ist der Meinung, dass Michael Endes Kinderroman einen nachkriegsdeutschen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit und Fremdenangst leistet, die durchaus Bezüge zur heutigen Rassismusdebatte hat. Heidi Röschs Analyse folgt der These, dass Michael Endes Roman Prozesse aufzeigt, die nur sichtbar werden, wenn die Ver- und Entwicklungen im Handlungskontext nachgezeichnet werden. Eine statische Analyse, die einzelne Szenen, Handlungselemente und Figuren isoliert betrachtet, wird diesem komplex erzählten Roman nicht gerecht.

Die Rolle der Hauptfigur: Jim Knopf

- übernimmt zunächst den naiven (lummerländischen) Antirassismus

- löst soziale Probleme wie z.B. Fremdenangst

- besiegt seine weißen und rassenfanatischen Verfolger

- entdeckt seine Herkunft und die Vergangenheit seiner ethnischen Gruppe

- emanzipiert sich von seinen weißen Eltern

- beginnt, eine Zukunft zu gestalten, die vollkommen anders aussieht, als die lummerländische Gesellschaft und alle Gesellschaften, die Jim und Lukas bei ihrer Weltreise kennen gelernt haben

Anhand der Analyse der Entwicklungen im Roman belegt die Autorin, dass poetische Kinderliteratur die Auseinandersetzung mit Rassismus sehr viel weniger eindeutig und plakativ gestaltet, als in den Richtlinien für die Herstellung nicht- und antirassistischer Kinderbücher vorgehen ist. Es scheint nicht darum zu gehen, etwas zu entlarven oder eine Antiposition zu besetzen , sondern das Phänomen zu durchschauen, auszuleuchten und –im Fall von Michael Ende- eine Wandlung anzudenken.
Aus: Rösch, Heidi. Jim Knopf ist (nicht) schwarz: Anti-/Rassismus in der Kinder- und Jugendliteratur und ihrer Didaktik. Hohengehren, 2000
(StartFragment --> Birte Rocholl + Laura Seiffert + Katja Bach)


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