SeminarSitzung: 24. Mai 2004 

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Beispielhafte Bilderbuch-Didaktisierungen von Heidi Rösch:

Rafik Schami: Der Wunderkasten
Referentin: Lina
Schneider
Rafik Schami: Bobo und Susu + Der Löwe Benilo
R
eferentInnen: Frederike Schulz + Katja Möller
Eleni Torossi: Der Kinderflohmarkt
Referentin: Alena Bösch

Interkulturelle Bilderbücher - Interkulturelle Didaktik und Methodik
ReferentInnen: Stefanie Wilken + Ulrika Klemp

 

 

Im Anschluss an die SeminarSitzung: Besprechung mit der UnterrichtsGruppe

Klärung formaler und inhaltlicher Fragen

 

Verantwortlich für die Gestaltung der Sitzung: Stefanie Wilken + Katrin Horn +

lrika Klemp / Frederikke Schulz + Katja Möller / Alena Bösch /  Manfred Huth  

Referat zum Thema Kinderbuchdidaktisierung

Von Friederike Schulz

 

„Bobo und Susu“ 

Zusammenfassung

In dem Kinderbuch „Bobo und Susu“ von Rafik Schami geht es um die Liebesgeschichte einer Maus und eines Elefanten. Bobo, der Elefant, kann sich nicht richtig in seine Herde integrieren, weil er keinen Sinn in Rang- und Machtkämpfen sieht. Er ist bei allen Wettkämpfen der Letzte und die anderen Elefanten lachen über ihn. Er läuft weg und trifft unterwegs die Maus Susu. Die beiden unterschiedlichen Tiere verstehen sich sehr gut und verlieben sich ineinander. Doch sowohl die Elefanten, als auch die Mäuse bringen dem Liebespaar nur Unverständnis entgegen. Anfangs finden Bobo und Susu es interessant, dass sie so unterschiedlich sind. Der andere wirkt exotisch und aufregend. Doch schon bald wird die Verschiedenheit zum großen Problem. Bobo sieht nur eine Lösung, er macht sich auf den Weg zu einer Wunschblume und lässt sich in einen Mäuserich verwandeln. Als er zurück kommt sieht er jedoch, dass auch Susu sich in eine Elefantenkuh verwandeln ließ. Der Unterschied der beiden ist also immer noch der gleiche, nur können sie diesmal besser damit umgehen. Beide wissen jetzt, wie es ist als Maus und als Elefant zu leben und können so den jeweils anderen besser verstehen. Bobo und Susu bleiben also ein Paar und bekommen viele Kinder, die Elemäuse. Diese sind bei Tag Elefanten und bei Nacht Mäuse. 

 

Interpretation von Heidi Rösch

Die Geschichte von Bobo und Susu wird laut Heidi Rösch empathisch erzählt. Beide Charaktere können die Probleme nur aus der eigenen Sicht sehen. Sie können sich nicht in den anderen hinein versetzen. Bobo, der Elefant, kann beispielsweise überhaupt nicht nachvollziehen warum Susu Angst vor Katzen hat. Er reagiert auf ihre Angst ethnozentrisch, indem er nur seine eigenen Erfahrungen gelten lässt.

Im Laufe der Geschichte wird das Unverständnis immer mehr zum Problem. Die Unterschiede zwischen Bobo und Susu scheinen unüberwindbar. Doch es bleibt die Liebe der beiden und die Verwandlung als Lösung des Problems. Diese Stelle im Buch bezeichnet Heidi Rösch, als „unrealistisches Moment“. Durch die Verwandlung in eine Maus, bzw. in einen Elefanten, nehmen die zwei Tiere die Kultur des anderen vollständig an und geben ihre eigene damit auf. Plötzlich sehen Bobo und Susu die Welt aus der Sicht des anderen und es findet empathisches Lernen statt.

Eine interkulturelle Wendung nimmt die Geschichte an der Stelle, als auch Susu verwandelt als Elefantenkuh auftaucht. Die Unterschiede von Maus und Elefant lassen sich jetzt überwinden, da die Tiere nun auch die Sicht des anderen kennen.  

 

Unterrichtsbeispiele

Es empfiehlt sich bei dem Buch „Bobo und Susu“ mit den schön gestalteten Bildern zu arbeiten.

Beispiel 1: Seite 6-7

In diesem Bild wird die Rolle von Bobo als Außenseiter dargestellt. Obwohl er auf der niedrigsten Stufe steht, spielt er eine Rolle in der Gruppe. Der Turm droht ohne ihn zusammen zu brechen.

Man könnte anhand dieses Beispiels über Außenseiter und deren Position/ Bedeutung in einer Gruppe sprechen. 

Beispiel 2: Seite 16-17

Auf diesem Bild sprechen Bobo und Susu über ihre Ängste. Susu berichtet von schrecklichen Eulen- und Katzenmonstern, doch Bobo versteht das nicht.

Hier könnte man die Kinder die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven nacherzählen lassen. Beispielsweise aus der Sicht der Katze oder der Eule.

Wichtig ist, dass die Kinder begreifen, dass Susu auch Verzweifelt ist, weil Bobo sie nicht versteht. Andererseits sollte den Kindern auch klar werden, warum Bobo die Angst von Susu nicht nachvollziehen kann. 

Die Lehrerin könnte den Kindern auch die Geschichte vorlesen und immer wieder an bestimmten Stellen unterbrechen um die Kinder weitererzählen zu lassen oder konkrete Fragen zu stellen.

Auch die Elemäuse könnte man als Unterrichtthema verwenden. Beispielsweise können die Kinder aufschreiben wie,

eine Elemaus in ihr Tagebuch schreibt,

eine Elemaus einem Beamten erklärt was sie ist,

wie die Eltern sich über die Kinder unterhalten.

Man kann auch mit immigrierten oder binationalen Kindern gut über die Elemäuse sprechen. Sie werden in dem Buch sehr positiv dargestellt und so sehen sich die Kinder nicht als Außenseiter, sondern als Experten auf dem Gebiet.

 

„Bobo und Susu“ im Unterrichtspraktikum

Hier ein Beispiel wie das Kinderbuch von Rafik Schami als Unterrichtsmaterial einer Praktikantin in einer dritten Klasse verwendet wurde:

1. Stunde: Bobo und Susu wurden als Stofffiguren vorgestellt und das Buch wurde gelesen. Zwischendurch stoppte die Praktikantin um den Kindern Raum für Fragen, Anregungen etc. zu geben. Als Hausaufgabe bekamen die Kinder die Aufgabe, selbst das Ende der Geschichte zu schreiben.

2. Stunde: Die Stunde bekam den Titel „Traumreise nach Afrika“. Die Schüler setzten sich gemütlich hin und die  Praktikantin erzählte die Geschichte mit eigenen Worten, wobei der Schwerpunkt der Erzählung auf der Beschreibung der Region und den Gefühlen der Hauptpersonen lag. Im Anschluß erzählten sich die Schüler in einer Jungen- und einer Mädchengruppe, wie sie sich als Maus oder Elefant gefühlt hatten.

3. Stunde: In dieser Stunde wurden die Ergebnisse der ersten Stunde vorgestellt. Es wurde über die verschiedenen Enden diskutiert und Rollenspiele wurden durchgeführt.

4. Stunde: Hier las die Praktikantin noch einmal das gesamte Buch vor, diesmal einschließlich des Schlusses.

5. Stunde: Am Schluss der Unterrichtseinheit spielten die Kinder ein, von der Praktikantin selbst kreiertes, Würfelspiel.

 


 

Referat zum Thema Kinderbuchdidaktisierung

Von Friederike Schulz                                

 

"Der Löwe Benilo"

Zusammenfassung:

Benilo ist ein Löwe mit ähnlich pazifistischen Zügen wie Bobo. Er wird zum Vegetarier und damit, wie auch Bobo, zum Außenseiter seiner Gruppe. Seine für ihn unerträgliche Situation löst er durch Auswanderung und trifft auf die fußkranke Gazelle Mahagoni, die ihn zunächst misstrauisch abweist, sich aber von Benilos löwenuntypischer Friedfertigkeit überzeugen lässt. Die beiden werden ein Paar. Fremden gegenüber nutzen sie das Klischeebild vom brüllenden Löwen und erfreuen sich an deren Angst. Einem menschlichen Außenseiter gegnüber offenbart Benilo sein wahres Selbst. Sie ziehen zu dritt weiter und liefern den Menschen Vorstellungen von der Überwindung festgelegter Klischeebilder.

 

In beiden Geschichten wird auf die Möglichkeit des Fortbestehens der Migrationstradition hingewiesen bzw. eine Kultursynthese gezeigt. Beides wird durchweg positiv dargestellt. Allerdings zeigt Schami ganz realistisch welche Leistungen Migranten vollbringen müssen um eine Vorbildfunktion für Nichtmigranten zu haben. Benilo, Mahagoni und der menschliche Außenseiter müssen beispielsweise Kunststücke vollbringen um die Anerkennung und Bewunderung der Einheimischen zu erlangen.

 

Im Gegensatz zu Bobo und Susu brauchen sich Benilo und Mahagoni äußerlich nicht zu verwandeln um den interkulturellen Lernprozess zu vollziehen. Sie sind als Migranten gleichberechtigte Partner und verteidigen jeweils ihren kulturellen Hintergrund, lernen jedoch beide ihre kulurellen Muster zu überwinden. Sie berichten zum Beispiel beide vom Schlafritual ihrer ehemaligen Herde bzw. ihres Rudels und stellen dies als positiv dar. Mahagoni lässt sich jedoch von Benilo überzeugen und kuschelt sich, wie im Löwenrudel üblich, an ihn und lässt sich von ihm beschützen.

Der Autor behandelt außerdem den Machtfaktor, der das Verhältnis zwischen Kulturen bestimmt (die europäische Kultur geht beispielsweise von ihrer Überlegenheit über die afrikanische oder asiatische Kultur aus). In den Erzählungen charakterisieren Bobo, ein Elefant, und Benilo, ein Löwe, die Mächtigen gegenüber Susu, eiener Maus, und Mahagoni, einer Gazelle, also den „schwächeren“ Tieren. Durch die Erzählperspektive aus Sicht des jeweils Stärkeren zeigt Rafik Schami, dass interkultirelle Lerprozesse, seiner Meinung nach, gerade auch bei den Mächtigen ansetzten, und nicht immer auf die Schwächeren beschränkt sein sollten.

Durch ihren Machtverzicht werden Bobo und Benilo zu Migranten. Der interkulterelle Lernprozess beginnt nach der Migration. Doch erst die Konfrontation mit anderen Kulturen führt zur Außeinandersetztung und Weiterentwicklung der eigenen Vorstellung über dieser Kulturen. Dies wird vorallem bei Bobo und Susu deutlich: Sie haben nicht das eigentlich Trennende überwunden, sondern den kulturellen Horizont erweitert.

 

Erika Rapps Bilder sind in „Bobo und „Susu“ besser gelungen, da sie mehr, über den Text hinausgehende, Informationen, die zum Beispiel in der Mimik der Tiere zu erkennen sind, transportieren. So können Kinder schon durch das Betrachten der Bilder erkenen was die Tiere denken oder fühlen. Eine didaktische Anregung wäre, die Kinder diese Gefühle und Gedanken beschreiben zu lassen, damit sie diese besser nachvollziehen können.

Außerdem eignten sich die Bücher auch als Fabeln für „kleine Helden in Not“, so Heidi Rösch, da Schami männliche Jungtiere, die sich gegen das Imponiergehabe und die Machtdemonstration ihres Geschlechts in ihrer Gruppe stellen, zu Handlungsträgern macht. Somit könnten Bobo und Benilo ein Vorbild sein. Desweiteren zeigen die beiden, dass auch ein anderer Umgang mit dem anderen  Geschlecht möglich ist und dass es sich manchmal lohnen kann auf den anderen zuzugehen und somit festgeschriebene Kultur- und Geschlechterrollen zu überwinden.      

 


 Interkulturelle Bilderbücher - Interkulturelle Didaktik und Methodik
am Beispiel von Märchen

Märchen sollten im Unterricht eingesetzt werden, da sie eine Literaturgattung in allen Kulturen sind. Sie sind eine fiktive Darstellung von kulturellen Traditionen. Vor allem bieten Märchen einen sehr guten Zugang zu fremden Kulturen.

Eine Vertonung (Hörspiel) wäre z.B. eine Möglichkeit, sie in den Unterricht einzubringen, aber auch ein Theaterstück oder ein Schattenspiel. Die Autoren weisen daraufhin, dass die Schüler und Schülerinnen sich bei einen solchen Thema selbst entfalten können, ihre Interesse an diesem Thema einzubringen, aber auch Sprachkenntnisse.

 

Verlauf in drei Phasen

1.)   Einleitungs- – und Motivationsphase

Der Lehrer/die Lehrerin führt an das Märchen heran, indem ein Klassengespräch gestaltet wird. Er/sie gibt Anregungen zum weiteren Verlauf. Am Schluss wird das Ziel klar zusammengefasst.

Mögliche Hausaufgabe dazu wäre, einen Fragebogen zu erstellen, indem u.a. gefragt wird, wie " Märchen in der jeweiligen Sprache heißt.

 

2.)   Durchführungsphase

In der nächsten Stunde wird der Vergleich von Märchen verschiedener Nationen angestrebt. Wenn es möglich ist, sollte auch das Originalmärchen gelesen werden. Danach werden Inhalt, Figuren, Rollenzuschreibung und Moral analysiert.

 

3.)   Phase der szenischen  Erarbeitung und Präsentation

In der nächsten Einheit werden Rollen für Sprecher, Beleuchter etc. verteilt. Die anschließenden Proben schließen letztendlich mit der Generalprobe ab. Außerdem können die Schüler und Schülerinnen Einladungen gestalten und verteilen.

 

Anton Moser: Nasreddin Hodscha

                       

Die folgende Geschichte ist ein Beispiel für eine Unterrichtsdurchführung:

Jedes Volk hat einen Schelm. In der Türkei wird Nasreddin Hodscha als der „Till Eulenspiegel“ angesehen. Er soll in der Provinz Konya gelebt haben, im südlichen Anatolien also. Sein Tod wird auf das Jahr 1284/85 datiert. Über sein Leben ist folgendes überliefert: Er war ein Kind einfacher Leute. Da er aber sehr klug war, besuchte er nach der Dorfschule noch die Medresse (theologisches Seminar).

Das Buch Nasreddin Hodscha ist in mehrere Kapitel unterteilt, die in sich unabhängige Geschichten sind. In jeder dieser Geschichte wird dem Leser eine kleine Lehre vermittelt, die man jedoch zuerst gar nicht bemerkt.

Gruppenarbeit: Findet Schritte zur Durchführung einer Gruppenstunde (5.Klasse).

Auswertung einscannen und pdf – Datei

Konkretes Beispiel: Schritte zur Durchführung

1.)   Aktivierung des Vorwissens: Bild von Till Eulenspiegel; Klärung der Symbole Eule (Weisheit) und Spiegel (Selbsterkenntnis)

2.)   Begegnung mit dem Neuen: Bild von Nasreddin Hodscha und Klärung von neuen Begriffen wie Moschee, Minarett etc.

3.)   Formulierung von Schülerfragen: Fragen werden aufgeschrieben und in Zweiergruppen besprochen

4.)    Kulturelle Überschneidungskategorien werden aufgeschrieben

5.)   Eine Geschichte wird gelesen.

6.)   Inhaltserschließung: Anhand von drei Bildern, die in zeitlich falscher Reihenfolge sind, wird die Geschichte noch mal gelesen.

7.)   Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Nasreddin Hodscha und Till Eulenspiegel werden im Partnergespräch erarbeitet, anschließende Klassendiskussion

8.)   Diskussionsergebnisse werden notiert.

ReferentInnen: Stefanie Wilken + Ulrika Klemp


 

 

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